Klangmassage im Beruf des Heilpraktikers
Von Dr. rer. medic. Karolin Warschkow
Wie der Klang in meine Praxis kam: Eine Patientin hat mir von der Klangmassage erzählt und ich hielt das zunächst für reichlich abgedreht. Auf einer Gesundheitsmesse hatte ich später die Gelegenheit, es selbst auszuprobieren. Das was dort, trotz der störenden äußeren Bedingungen der typischen Messeatmosphäre, in meinem Körper passiert ist, kann ich noch heute kaum in Worte fassen. Es war eine Art Initialzündung. Mir war sofort klar: Das ist es!
Nachdem der Klang in meine Praxis eingezogen ist, ist mit dem Klang auch neues Leben dort eingekehrt. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie ich vorher ohne Klang auskommen konnte. Inzwischen sind die Peter Hess-Klangmassage und andere klangtherapeutische Behandlungen sowie auch die Beratung mit Unterstützung der Peter Hess-Klangpädagogik unverzichtbare Bestandteile meiner Arbeit geworden. Die Klangtherapie ist ideal mit den anderen Therapieverfahren in meiner Praxis kombinierbar. Besonders gut ergänzen sich Klangpädagogik und NLP- Techniken in der Beratung. Die Arbeit mit den Klängen unterstützt genau meinen Ansatz, den Menschen als ein Ganzes zu begreifen. Das verbreitete Schubladendenken vieler Medizinbereiche bringt oftmals nur Verschiebungen der Krankheitsschauplätze, also Symptomkosmetik, hervor. Wirkliche Veränderungen entwickeln sich erst durch komplexe Interaktionen im gesamten Organismus.
Besonders spannend finde ich, wie sich durch die Klänge der Körper in seiner Statik ganz neu ausrichten kann. Sogar verschleißbedingte Beschwerden werden deutlich gebessert. Veränderungen, die sich vielfach auch im veränderten Verhalten des Patienten nach Außen spiegeln. Mit den Klängen als tragende Stütze lässt sich sehr viel leichter Vertrauen und Sicherheit aufbauen, so dass auch die psychosomatischen Hintergründe einer Erkrankung angesehen werden können. Prozesse, die in der Tiefe schlummern, kommen an die Oberfläche und erfahren mit Hilfe der klangtherapeutischen Begleitung eine tiefgehende Neuordnung.
Im Folgenden möchte ich einige Fallbeispiele aus meinem Praxisalltag schildern, um die Einsatzmöglichkeiten und das Potential der Klänge zu verdeutlichen.
Fallbeispiel 1
Eine Patientin (45 Jahre) kommt mit schweren schmerzhaften Lumbalgien (Rückenschmerzen) in meine Praxis. Neben ausgeprägten Muskelverkrampfungen und Bewegungseinschränkungen liegen Wirbelblockierungen in der Hals- und Brustwirbelsäule vor. Durch die starke Anspannung und Schmerzhaftigkeit ist kaum eine Manipulation möglich. Eine kurze Klangmassage mit einer zunächst schmerzfernen und später bahnenden Vorgehensweise löst die Abwehrspannung und ermöglicht dadurch im Anschluss eine problemlose manuelle Lösung der Blockierungen und hilft, die Beweglichkeit wieder herzustellen.
Fallbeispiel 2
Eine Patientin (67 Jahre) hat seit einiger Zeit Schmerzen im linken Knie sowie Gehbeschwerden. Im MRT werden leichte Verschleißerscheinungen im Kniegelenk diagnostiziert. Der Orthopäde empfiehlt eine Arthroskopie. Zunächst korrigiere ich mit einer Kombination aus Klangmassage und manueller Therapie den Beckenschiefstand und damit die Hauptursache. Schmerzen und die Störungen im Bewegungsablauf werden sodann mit einer abgewandelten Form der Klangmassage therapiert, die von Dr. Herbert Seitz (Kufstein/Österreich) entwickelt wurde.
Dabei sitzt die Patientin, ohne sich mit dem Rücken anzulehnen und stellt ihre Füße auf eine tuchbespannte Rahmenkonstruktion mit hoher Schwingungsübertragung - ein »Klangbänkchen«. Durch unterschiedliche Anordnungen der Klangschalen auf und um den Patienten herum werden verschiedene diagonale und parallele Schwingungsmuster angeboten. Die gesamte Statik des Körpers kann sich neu ausrichten. Während einer solchen Behandlung ist oftmals zu beobachten, wie sich der Rücken neu ausbalanciert und eine Aufrichtung erfolgt. Schon nach einigen Behandlungen bessern sich die Beschwerden der Patientin und sie kann wieder ihre gewohnten Walking-Runden drehen.
Fallbeispiel 3
Dieser Fall ist eine besondere Herausforderung. Der Patient (20 Jahre) renkte sich durch leichteste alltägliche Bewegungen komplett beide Schultergelenke aus. Es kommt dabei beidseits zu einem vollständigen Herausspringen der Gelenkköpfe aus den Schultergelenkspfannen. Da der Patient an seinem Arbeitsplatz kräftig zupacken muss, passiert das jeden Tag unzählige Male. Nachts leidet er zum Teil an schlafraubenden Schmerzzuständen. Das Problem besteht in leichter Form schon seit Kindheit an, hat sich in der letzten Zeit aber drastisch verschlechtert. Im MRT-Befund zeigen sich leichte Abflachungen des Gelenkkopfes. Der Orthopäde empfiehlt eine operative Verankerung der Gelenkköpfe mit Klammern. Neben den ganzen Begleiterscheinungen der Operation und den Reha-Maßnahmen, die dadurch notwendig würden, stellt sich sodann die Frage nach der Haltbarkeit dieser Lösung, bei den einwirkenden Hebelkräften, die die berufliche Betätigung meines Patienten mit sich bringt. Der Behandlungsversuch gestaltete sich wie folgt. Neben manueller Therapie, Bewegungsübungen und einigen Akupunkturnadeln, setze ich auf die regenerationsfördernde Kraft der Klangschwingungen. Mein Konzept ist, mit gezielter Lenkung der Klangrichtungen Energie in den unterentwickelten Bereichen und im überdehnten Halteapparat der Gelenke zu konzentrieren. Nach kurzer Zeit verschwinden zunächst die nächtlichen Schmerzen. Nach und nach bessert sich die eine, später auch die andere Seite, so dass zum aktuellen Zeitpunkt ein Ausrenken auf der linken Seite kaum noch willentlich herbeizuführen ist und rechts nur noch gelegentlich vorkommt. Die Behandlung dauert noch an.
Fazit
Meine Vorstellung von einer Medizin jenseits von Einschränkungen durch inter-disziplinäre Missverständnisse hin zu einer wirklich ganzheitlichen Behandlung von Körper und Psyche aus einer Hand, kann ich mit Unterstützung durch klangtherapeutische Verfahren leichter umsetzen. Die tragende Kraft der Klänge bringt Körper und Seele in Einklang und macht vieles möglich. Ich fühle mich beglückt, den Klang für mich und meine Praxis entdeckt zu haben.
Auszug aus: Dr. rer. medic. Karolin Warschkow, Klangmassage im Beruf des Heilpraktikers (...) in: Hess/Koller (Hrsg.): Klangmethoden in der therapeutischen Praxis, Verlag Peter Hess, 2009, S. 58 ff.
Dr. rer. medic. Karolin Warschkow
hat Tiermedizin studiert und ist Heilpraktikerin mit den Praxisschwerpunkten Traditionelle Chinesische Akupunktur, manuelle Therapie, psychologische Beratung und Krisenbegleitung sowie Klangmassage. Sie ist NLP-Master (DVNLP), ausgebildet in Peter Hess-Klangmassage und Peter Hess-Klangpädagogik und leitet Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung sowie Neuorientierung bei verschiedenen Bildungsträgern.




